Sonntag, 4. März 2018

Aus den "Ochsenwochen" (Samstagskaffee #112)

In den letzten Wochen war es hier auf dem Blog verhältnismäßig ruhig. "Ochsenwochen" (Oxveckor) nennt man in Schweden diese erste Zeit des Jahres, habe ich mal gelesen. Vermutlich kommt der Ausdruck daher, dass die Bauern früher in diesen Wochen besonders hart arbeiten mussten, ohne Unterbrechung von Feiertagen. Ungefähr so fühlte es sich bei mir in den letzten Monaten an. Wie es dazu kam? Ich erzähle es euch heute mal bei einem Samstagskaffee.
Als im vergangenen Jahr unser drittes Kind zur Welt kam, wollte ich eigentlich erstmal für einige Monate wieder in Elternzeit gehen. Dann entschied sich meine Elternzeit-Vertretung, die Stelle zu wechseln. Das ist nicht zum ersten Mal passiert und es sorgte immer dafür, dass der Wiedereinstieg für mich etwas schwerer war als geplant. Ist ja auch klar, jede Person füllt einen Arbeitsplatz anders aus und mit jedem Wechsel gibt es immer etwas Reibungsverluste. Ich hatte jedenfalls keine große Lust, wieder auf eine solche Situation zuzusteuern und habe daher mit meinem Mann gemeinsam überlegt, ob wir meinem Arbeitgeber etwas anbieten können. Letztendlich bin ich dann direkt wieder zurück in den Job gegangen, wenn auch nur mit einem Stellenumfang von 25 Prozent. Zudem war vereinbart, dass ich einen Aufgabenbereich übernehme, der nicht mit vielen Außenterminen verbunden und auch mal im Homeoffice zu erledigen war. Meine Tochter habe ich an Bürotagen mitgenommen. Das ging deutlich besser als erwartet. Sie spielte meist zufrieden neben meinem Schreibtisch auf ihrer Krabbeldecke. Wäre ich somit nicht bereits wieder in der Arbeitswelt angekommen, hätte ich im Herbst diese Stellenausschreibung vermutlich gar nicht gesehen oder nicht darauf reagiert. 
Gesucht wurde eine wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni, in einem Forschungsprojekt, das inhaltlich nah an meiner bisherigen Tätigkeit lag. Mich ließ die Idee nicht mehr los, mich vielleicht dort zu bewerben. Es sprach manches dafür: Meinen bisherigen Job mache ich seit über 10 Jahren. Es gibt dort keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr. Die Weiterentwicklungsmöglichkeiten waren begrenzt. Forschung macht mir Spaß und kam bislang zu kurz. Zudem enthält die Stelle die Möglichkeit zur Promotion, was mich ebenfalls schon länger reizt. Allerdings gab es auch einiges, was dagegen sprach. Ich würde einen unbefristeten Arbeitsvertrag für einen befristeten aufgeben. Mein Arbeitsumfang würde sich von 25 auf 65 Prozent erhöhen, was mit der familiären Situation vereinbar bleiben musste. Die Fortführung des Arrangements, mit dem Kind an meiner Seite zu arbeiten, wäre fraglich. Dennoch: Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich mich noch oft fragen würde, ob ich mich nicht hätte bewerben sollen, wenn ich es nicht täte. Nach ein paar Gesprächen mit meinem Liebsten und meinem potentiellen zukünftigen Arbeitgeber entschied ich mich, meine Bewerbungsunterlagen einzureichen. Der Rest ist schnell erzählt: Ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen, bekam den Job und sagte zu.
Soweit, so gut, doch aufgrund der langen Beschäftigungsdauer in meinem letzten Job war meine Kündigungsfrist recht lang. Wir einigten uns auf einen Aufhebungsvertrag. Dennoch war klar, dass beide Arbeitsverträge im Januar und Februar eine Zeitlang parallel laufen würden. Nun, habt ihr mitgerechnet? 25 + 65 Prozent, das ergibt annähernd eine Vollzeitstelle, verteilt auf zwei Arbeitgeber und das mit einem Baby an Bord. Zudem gibt es ja auch noch zwei weitere Kinder im Kindergartenalter hier, einen Mann, einen Haushalt. Die Rechnung konnte nicht aufgehen. Das habe ich allen Beteiligten gegenüber transparent gemacht. Von beiden Arbeitgebern gab es dieselbe Reaktion: Wenn ich es mir zutrauen würde, wäre es für sie in Ordnung. Auch, wenn ich dann vermutlich Minusstunden machen würde. Und so lief es dann in diesen ersten Wochen des Jahres. Ein großer Verdienst kommt dabei unserer Jüngsten zu, die mich so zufrieden immer wieder an jeden Arbeitsplatz begleitet, solange nur eine Krabbeldecke, etwas Spielzeug, Essen, Trinken und Wickelsachen für sie dabei sind. Aber mal ehrlich: Hätte man einem Mann ein solches Arrangement auch vorgeschlagen? Ich bin mir da unsicher. 

Die Tage waren also entsprechend gefüllt. Hinzu kam auf der privaten Ebene, dass eine schwere Krankheit im nahen Umfeld uns alle sehr beschäftigt hat, insbesondere emotional. Und dann gibt es da ja auch noch ein Bauprojekt. Aber: Allmählich dreht sich der Wind. Der Krebs hat auch in dieser Runde nicht gewonnen. Die Baugenehmigung erwarten wir in der nächsten Zeit. Mein alter Arbeitsvertrag ist nun beendet und mein Stundenkonto stand zumindest dort zum Schluss sogar leicht im Plus. Die Entscheidung für die neue Stelle fühlt sich immer noch ganz richtig an. Die größeren Kinder und auch mein Mann finden es ganz normal und richtig, dass ich bereits wieder arbeite. Meine Schwiegereltern sind zum Glück oft bereit und in der Lage, uns zu unterstützen, wenn es hilfreich ist. Und die Kleinste hat sich ohnehin als mein bestes Teammitglied herausgestellt. Manchmal denke ich schon fast wehmütig daran, dass unsere gemeinsamen Bürovormittage nun schon gezählt sind, bis sie in der Kita startet. Nun freue ich mich aber erstmal, dass ein Ende der "Ochsenwochen" in Sicht ist.  Irgendwie passt es, dass ich an diesem Wochenende auch das erste Mal das Gefühl hatte, dass nun endlich der Frühling kommt. Geht es euch auch so?

Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job, der sich spannend anhört.
    Toll, dass du den Schritt gewagt hat und alles durchgezogen hast. Das ist ja nicht unbedingt selbstverständlich.
    Ich drücke die Daumen, dass der Krebs da bleibt wo er hingehört, weit weg!
    Jetzt atme durch und komme im neuen Job gut an.

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    1. Danke dir! Euch wünsche ich vor allem ganz schnell gute Besserung, allen fünfen!
      Viele Grüße
      Gesa

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Viele Grüße
Gesa